Hier, wo Weinberge in dunkle Tannenwälder übergehen und eine Geschichte in jedem Balken eines Hauses steckt, entstehen feine Destillate – von Hand gemacht und tief verwurzelt.
Wenn sich frühmorgens der Nebel über die Rebhänge des nördlichen Schwarzwalds legt, der Duft von feuchtem Waldboden mit dem leisen Knistern eines Holzofens verschmilzt, beginnt in einer kleinen Destillerie bei Bühl-Neusatz ein neuer Brenntag.
Die Hausbrennerei Nöltner & Nöltner ist kein Ort industrieller Produktion. Sie ist ein Refugium des Geschmacks, ein Ort gelebter Handwerkskunst. Seit Generationen wird hier gebrannt, verkostet und verfeinert – und seit einiger Zeit trägt dieses Erbe auch einen neuen Namen: Anselm & Söhne – der Schwarzwälder Teil einer Familiengeschichte, die weit über den Atlantik reicht.
Vom Schwarzwald in die Neue Welt
Die Geschichte beginnt im 19. Jahrhundert. Anselm Nöltner, geboren im badischen Lichtenau-Ulm, heiratete, bekam zehn Kinder – darunter David und Anselm Junior. Während David seiner Jugendliebe nach Neusatz in den Schwarzwald folgte und dort einen Hof aufbaute, suchte Anselm II sein Glück in der Ferne. Wie viele seiner Zeit wanderte er in die USA aus – in der Hoffnung auf ein besseres Leben.
Nach sechs harten Jahren in New York City kaufte Anselm II im ländlichen Glen, Montgomery County, rund 100 „acres“ Land – rund 40 Hektar – und gründete dort eine Milchviehfarm. Die Brüder waren geografisch durch einen Ozean getrennt, doch ihre Verbundenheit blieb: zur Familie, zur Natur – und zur Kunst der Destillation.
Auch Emil, ein Sohn von David, folgte dem Ruf der weiten Welt und wanderte 1857 zu seinem Onkel Anselm nach Amerika aus. Der Traum lebte weiter: Anselm Junior hatte selbst zehn Kinder. Einer seiner Ur-Enkel, Kenneth Anselm „Ken“ Noeltner, bewirtschaftete die Farm bis zu seinem Tod im Jahr 2024. Noch heute erinnert die Noeltner Road in Amsterdam, NY an eine Familie, deren Wurzeln tief im Schwarzwald liegen – und deren Äste bis nach Amerika reichen.
Anselm & Söhne - ein Erbe in flüssiger Form
Was die beiden Brüder einte, war mehr als nur Blut. Es war eine Haltung: die Liebe zur Natur, der Wunsch, aus ihr Besonderes zu schaffen – und die Leidenschaft, altes Handwerk mit Leben zu füllen.
Heute lebt dieses Erbe weiter – in der fünften Generation, eingefangen in jeder Flasche Anselm & Söhne. Das Etikett ist neu. Die Geschichte dahinter reicht tief. Sie erzählt von zwei Brüdern, die ihr Glück fanden – der eine in der Ferne, der andere in der Heimat – und von einer Schwarzwälder Familie, die in zwei Welten daheim ist.
Die Brennkunst von Anselms Söhne ist mehr als Handwerk. Sie ist ein Vermächtnis. Ein Ausdruck davon, wie man sich ein Stück Natur nimmt – und daraus etwas Unverwechselbares macht. Und so geht die Geschichte weiter – mit jedem Glas, das eingeschenkt wird. Mit jedem Schluck, der erzählt, woher man kommt. Und wohin man gehört.

