Die Hitze dieses Sommers macht auch vor unserer Hausbrennerei nicht halt: Die jungen Bäume auf der Streuobstwiese kämpfen, und unsere Quelle – seit Generationen das stille Herzstück unserer Destillate – gibt kein Wasser mehr.
Es gibt Sommer, die man genießt. Und es gibt Sommer, die man aushält. Dieser gehört zur zweiten Sorte. Seit Wochen liegt die Hitze schwer über den Hängen von Neusatz, die Wiesen sind strohgelb, der Boden ist hart wie Ton – und rissig bis tief hinab, wo eigentlich die Feuchtigkeit sitzen sollte.
Am deutlichsten spüren es die Jüngsten: die im vergangenen Jahr gepflanzten Bühler Zwetschgen und Zibärtle. Junge Obstbäume haben noch keine tiefen Wurzeln, sie leben von dem, was die oberen Bodenschichten hergeben – und die geben derzeit nichts mehr her. Also tragen wir Wasser. Baum für Baum, Gieße für Gieße, damit aus den zarten Stämmchen einmal jene Bäume werden, die in zwanzig, dreißig Jahren die Früchte für die Brände der nächsten Generation tragen. Wer eine alte Sorte pflanzt, denkt in Jahrzehnten. In diesem Sommer denkt man allerdings vor allem von einem Regenschauer zum nächsten – der leider ausbleibt.
Und dann ist da noch etwas, das man von außen nicht sieht: Unsere Quelle ist versiegt. Sie ist ein stiller Mitarbeiter unserer Brennerei. Denn ein Destillat verlässt den Brennkessel mit hoher Stärke und wird behutsam auf Trinkstärke herabgesetzt. Womit man das tut, ist alles andere als gleichgültig: Unser weiches Quellwasser, gefiltert durch die Gesteinsschichten des Schwarzwalds, verbindet sich mit dem Brand, ohne ihm etwas aufzudrängen. Es ist einer der Gründe, warum unsere Destillate so rund schmecken – harmonisch, ohne Ecken und Kanten.
Ohne Quellwasser kein Herabsetzen. Und so ruhen die Brände derzeit in ihren Behältern und warten – hochprozentig und geduldig – darauf, dass die Quelle wieder zu fließen beginnt. Wir könnten ausweichen, gewiss. Aber ein Kompromiss beim Wasser wäre ein Kompromiss beim Geschmack, und den machen wir nicht.
Vielleicht ist es am Ende eine Erinnerung daran, was Brennen im Schwarzwald eigentlich bedeutet: Wir arbeiten mit dem, was die Natur uns gibt – und manchmal eben auch mit dem, was sie uns gerade nicht gibt. Die Bäume werden weiterwachsen, die Quelle wird wieder fließen. Bis dahin gießen wir und warten.
Wer den jungen Bäumen durch diesen Sommer – und durch alle, die noch kommen – helfen möchte, kann das übrigens ganz konkret tun: Mit einer Baumpatenschaft für eine Bühler Frühzwetschge wirst du Kulturförderer des guten Geschmacks, unterstützt den Erhalt unserer Streuobstwiesen – und schmeckst in ein paar Jahren, wofür sich das Gießen gelohnt hat. Bis dahin heben wir das Glas auf den ersten kräftigen Landregen.

