Von Bühl, aus Bühl, für die Ewigkeit: ein außergewöhnliches Destillat aus der historischen Bühler Zwetschge, das mit einer Weißwein-Aromahefe vergoren wurde.
Zum Jahresanfang 2026 haben wir ein ganz besonderes Destillat abgefüllt: Es ist mehr als nur ein hochprozentiger Genuss, denn es ist ein Stück lebendige Geschichte Bühls, eingefangen in kristallklarer Form. Unser Zwetschgenbrand aus der legendären Bühler Frühzwetschge erzählt von vergangenen Zeiten, von fast vergessenen Bäumen und von der Entscheidung, einer einzigartigen Frucht ein neues Leben zu schenken.
Eine Frucht schreibt Geschichte
Ihre Geschichte beginnt im Jahr 1840 in Kappelwindeck, das heute ein Stadtteil von Bühl ist. Dort wurde die Bühler Frühzwetschge entdeckt – ein sogenannter „Zufallssämling”, der nicht gezielt gezüchtet, sondern als glücklicher Zufall in einem Obstgarten gefunden wurde. Was damals niemand ahnen konnte: Diese dunkelblau-purpurne Frucht sollte Bühl zu Weltruhm verhelfen.
Sie zeichnete sich durch ihre außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit und ihre frühe Reife aus. Das milde Klima in der Region bot ideale Bedingungen, und schon bald begann ihr triumphaler Aufstieg. Im Jahr 1884 rollte der erste Eisenbahnwaggon mit 100 Zentnern Zwetschgen von Bühl nach Köln. Was folgte, war beispiellos: In den 1930er Jahren verließen täglich bis zu 100 Waggons voller Bühler Zwetschgen den Bahnhof – Züge, die bis nach Hamburg, Berlin, Königsberg und sogar Schweden fuhren. Die „Blaue Königin“, wie sie liebevoll genannt wurde, machte Bühl zum größten Frühobst-Zentralmarkt Deutschlands.
Fast ein Jahrhundert lang sorgten die Zwetschgen für Wohlstand in der Region. Sie waren die ersten Vitaminboten nach dem langen Winter: herb-süß mit ihrem charakteristischen, säuerlich-aromatischen Geschmack und einer leicht bitteren Note, die sie unverwechselbar macht.
Der Niedergang einer Königin
Doch wie so oft in der Landwirtschaft musste die Tradition der Wirtschaftlichkeit weichen. Moderne Züchtungen brachten entscheidende Vorteile für Erwerbsobstbauern: niedrigere Bäume, die sich leichter und schneller ernten ließen, frühere Erträge – schon nach drei statt acht Jahren – und Resistenz gegen das gefürchtete Scharkavirus. Die Bühler Frühzwetschge hingegen wuchs langsam, wurde hoch und benötigte zur Ernte Leitern. Auf dem kommerziellen Obstmarkt hatte die Bühler Zwetschge keine Zukunft mehr. 2018 wurde sie von Slow Food Deutschland in die „Arche des Geschmacks” aufgenommen – eine Auszeichnung, aber auch ein Weckruf: Diese einzigartige Sorte war vom Aussterben bedroht.

Auferstehung im Destillat
Wenn eine Frucht auf dem Frischmarkt keine Bedeutung mehr hat, kann sie anderswo zu neuer Größe aufsteigen. In der Destillation offenbart die Bühler Zwetschge ihre wahre Seele. Ihr komplexes Aromaprofil, das sie zu Lebzeiten jahrhundertelang auszeichnete – diese Balance zwischen Süße, Säure und jener charakteristischen leichten Bitterkeit – kommt im Brand zur vollen Entfaltung.
Für unser Destillat haben wir Bühler Zwetschgen von den alten Bäumen rund um Bühl verwendet. Nicht irgendwo gewachsen, sondern hier, wo 1840 alles begann. Von Bühl, aus Bühl, destilliert in Bühl – das ist mehr als eine geografische Angabe, es ist ein Versprechen an die Tradition.
Die Kunst der Vergärung mit einer Weißweinaromahefe
Bei der Herstellung dieses besonderen Destillats haben wir uns für eine Reinzuchthefe entschieden, die normalerweise für Weißwein verwendet wird – eine Wahl, die nicht zufällig getroffen wurde. Die 1972 von Pierre Barre am Institut INRA in Montpellier isolierte Hefe verfügt über besondere Eigenschaften, die perfekt zur Bühler Zwetschge passen. Sie ist bekannt dafür, frische Fruchtaromen zu bewahren und bei niedrigeren Gärtemperaturen florale Ester zu produzieren. Diese Aromakomponenten unterstreichen die bereits in der Bühler Zwetschge angelegten blumig-fruchtigen Noten, ohne sie zu überlagern.
Sie war die ideale Partnerin für unsere Zwetschgen. Das Ergebnis war eine Maische, die 2024 vergoren wurde und deren gesamtes aromatisches Potenzial bewahrt blieb – eine perfekte Grundlage für das, was folgen sollte: die Destillation.
Von Bühl, aus Bühl, in Bühl
Was unseren Zwetschgendestillat so besonders macht, ist seine Authentizität. Es ist nicht einfach ein Zwetschgenbrand, sondern ein Stück Bühler Kulturgeschichte. Jeder Schluck ist eine Hommage an die fast zweihundertjährige Geschichte dieser besonderen Frucht. Er verkörpert den Geschmack von Bühler Boden, von mildem Klima zwischen Schwarzwald und Rheinebene, von einer Zeit, in der täglich Züge voller Zwetschgen den Bahnhof verließen.
Ein Glas Geschichte
Die Bühler Zwetschge spielt auf dem Obstmarkt vielleicht keine große Rolle mehr, aber in der Flasche lebt sie weiter – in ihrer edelsten Form. Als Destillat zeigt sie, was in ihr steckt: Komplexität, Tiefe und Charakter. Die leichte Bitterkeit, die sie beim Frischverzehr manchmal etwas sperrig macht, verleiht dem Brand Eleganz und Länge. Die fruchtigen und floralen Noten, die durch die sorgfältige Vergärung mit der K1-V1116 unterstützt werden, schaffen ein Aromenbild, das gleichzeitig kraftvoll und filigran ist.
Während moderne Zwetschgensorten mit ihrer gleichförmigen Süße für den Massenmarkt optimiert wurden, bewahrt die Bühler Frühzwetschge ihre Eigenheit – und im Destillat wird aus dieser Eigenheit Exzellenz.
Tradition bewahren, Zukunft schaffen.
Mit diesem Destillat setzen wir ein Zeichen: Tradition muss nicht verschwinden, sie muss sich nur verwandeln. Die Bühler Zwetschge findet im hochwertigen Destillat einen würdigen Platz – einen Platz, an dem Qualität mehr zählt als Quantität und Charakter mehr als Konformität. Und sie erzählt von heute, vom Bewusstsein, dass manche Dinge zu wertvoll sind, um verloren zu gehen. Von der Kunst, aus einer fast vergessenen Frucht ein Destillat zu schaffen, das ihrem Erbe gerecht wird.
Vom Baum ins Glas – ein Zwetschgenbrand mit Seele.
Unser Bühler Zwetschgendestillat ist mehr als ein Schnaps. Er ist flüssige Geschichte, destillierte Erinnerung, Handwerk und Hingabe in einer Flasche. Es ist die Renaissance einer Legende – nicht auf dem Marktplatz, sondern dort, wo die Bühler Zwetschge schon immer zu Hause war: in den Händen derer, die Qualität zu schätzen wissen. Von Bühl, aus Bühl, für alle, die verstehen, dass manche Früchte zu gut sind, um zu verschwinden.
Bühler Zwetschge – Brand Nr. 22
Das Rohdestillat wurde mit bestem Schwarzwälder Gebirgswasser auf 40 % Vol. reduziert.
Destillateur: Oliver Nöltner




